ab
23.12.

Hochsitz_Konzerte

Konzert

christmas streaming special

mit Her Tree, Johanna Mauk, Saguru, SweetLemon, Slovva, Konrad Wehrmeister & David Goldberg

Da in diesen Zeiten die Kultur selbst im kleinsten Kreis kaum mehr Platz hat, um wortwörtlich hautnah erlebt zu werden, gilt es in neuen Ebenen zu denken. Mit Hochsitz_Konzerte präsentiert das Muffatwerk ein digitales Format, bei dem der Blick nicht nur augenscheinlich nach oben geht, sondern Dank einer zusätzlichen 360°-Aufnahme auch aus allen Richtungen erlebt werden kann.
Für das christmas streaming special sind sechs Acts zu Gast, um ihre Konzerte aus einer ganz anderen Perspektive zu präsentieren: in 3 Metern Höhe auf einem Hochsitz im Außenbereich des Muffatwerks zwischen Bäumen direkt am Auer Mühlbach.

Alle Konzerte können über den Muffatwerk YouTube Kannal abgerufen werden

Trailer Hochsitz_Konzerte


HER TREE
HER TRE (360°)
JOHANNA MAUK
JOHANNA MAUK (360°)
SAGURU
SWEETLEMON
SLOVVA
SLOVVA (360°)
DAVID GOLDBERG & KONRAD WEHRMEISTER
DAVID GOLDBERG & KONRAD WEHRMEISTER (360°)


Hochsitz_Impressionen
von Dirk Wagner

Keine Frage: Chriz Rappel, Mastermind der Münchner Indie-Pop-Formation Saguru kann auch als formvollendeter Singer-Songwriter brillieren. Tatsächlich vermisst nämlich niemand an diesem frühen Winterabend im Dezember seine Band, als der Sänger sich selbst auf einer offen gestimmten Gitarre begleitet. Die restliche Band hätte auch gar nicht auf die beiden eigens dafür aufgestellten Hochsitze vor dem Muffatwerk gepasst, auf denen nun Musikerinnen und Musiker aus München und Umgebung an drei Aufnahmetermine im Dezember nach Einbruch der Dunkelheit eine etwas andere Lagerfeuermusik bieten. Eine Lagerfeuermusik, die sich zum Beispiel bei Alexandra Cumfe alias her tree aus aufgenommenen Wald- und Tiergeräuschen zusammensetzt, die Cumfe digital zerlegt hat, um sie klanglich modifiziert nun den Strukturen ihrer Songs folgend neu zusammen zu setzen. Wie der französische Komponist Olivier Messiaen sich einst vom Gesang der Vögel inspiriert sah, findet auch die Klang-Archivarin Cumfe in der Natur den perfekten Sound, aus welchem sie nun ihre Songs schöpft wie aus einer erfrischenden Quelle. Oder jene fantastischen Klangwelten, die die experimentellen Soundtüftler Konrad Wehrmeister und David Goldberg im Schein eines nur mäßig wärmenden Lagerfeuers entwickeln. Jeder sitzt dabei auf einen der beiden hölzernen Hochsitzen. In ihren vorbildlich wärmenden Klamotten gekleidet hätten sie da oben auch jägergleich geduldig abwarten können, bis sich ihnen ein Wild nähert. Stattdessen aber jagt hier jeder dem Sound des anderen nach. Nicht, um ihn zu erlegen, sondern um ihn seinerseits mit weiteren Klangideen zu bereichern. Klangideen, die selbst die fröstelnde Kälte an jenem Abend hörbar machen. Die Turmglocke des benachbarten Müller´schen Volksbads läutet bisweilen anmutig in jene überwiegend elektronisch generierten Klanglandschaften hinein. Dank der hochwertigen Aufnahmetechnik sind solche Nebengeräusche allerdings kaum zu hören im christmas streaming special. Neben den Bildaufnahmen, mit denen zwei Kamerafrauen das Geschehen dokumentieren, ermöglichen die Aufnahmen einer über drei Meter hoch positionierten 360 Grad-Kamera den Zuschauern während der Konzerte, den Blick am Set virtuell schweifen zu lassen, als wären sie tatsächlich vorort. Freilich ersetzt das kein wirkliches Konzerterleben, wo man die Musik sogar über die Haut erfahren kann. Wo die Energie eines begeisterten Publikums auf die Energie der auftretenden Musikerinnen und Musiker trifft, um sich im Idealfall gegenseitig zu steigern. Dagegen fällt der dankbare Applaus der wenigen Spaziergänger sehr zurückhaltend aus, die zufällig Zeugen dieser nur für die Kameras arrangierten Konzerte wurden. Konzerte, die darum auch nicht den satten Sound über eine entsprechende Lautsprecheranlage den kurz verweilenden Zaungästen vermitteln. Aber auch der verhältnismäßig leise Sound der kleinen Lautsprecher, über die die Kamerafrauen der Musik, der sie visuell folgen, lauschen können, zaubert den Passanten ein glückliches Lächeln ins Gesicht, bevor sie in der Regel schon nach wenigen Minuten weiter ziehen. Pandemie-bedingt gilt es schließlich, Versammlungen zu vermeiden. Und auch die involvierten Mitarbeiter des Muffatwerks achten bei den Konzertmitschnitten auf Sicherheitsabstände und sonstige Hygienemaßnahmen. Trotzdem fühlt sich vor Ort alles so heimelig an wie an einem besinnlichen Abend auf einen der schöneren Weihnachtsmärkte, die heuer ja auch nicht stattfinden duften. Mit dem hölzernen Geruch der Jagdstände und des Brennholzes in der Nase kann man einige Songs lang Corona und Konsorten vergessen. Selbst die klirrende Kälte wird da als gemütlich empfunden, auch, wenn die Gitarristin des Sängerinnen-Duos SweetLemon damit zu kämpfen hat, dass die Finger ihrer greifenden Hand beinahe schon zu Eiszapfen mutieren. Doch tapfer trotzt sie der Kälte, die letztlich auch nur eine kleine Windböe ist angesichts der stürmischen Kälte, mit der verantwortliche Volksvertreter auffällig unverantwortlich die Interessen der Künstler, Veranstalter, Veranstaltungstechniker und sonstigen Mitarbeiter im Kulturbereich in den vielen berechtigten Maßnahmen zur Bekämpfung der Pandemie ignorieren. Immerhin bieten solche Streaming-Konzerte anstelle der wegen der Infektionsgefahr verbotenen echten Konzerte allen Beteiligten eine kleine Verdienstmöglichkeit im Jahr der Verdienstausfälle. Darüber hinaus genießen die Musizierenden auch ohne anwesendes Publikum sichtbar die Möglichkeit des Zusammenspiels, wo sie wie die Bratschistin und Sängerin Johanna Mauk mit Begleitung zu zweit agieren, oder das Gefühl, sich in die eigene Musik fallen zu lassen, derweil sie erst entsteht, so wie die Künstlerin Slovva in ihrem experimentierfreudigen DJ-Set. Den Zuschauern daheim an ihren Bildschirmen sollen diese in drei Editionen sortierten sechs Konzerte ein wärmendes Licht zum Lichterfest sein. Auf dass es sechs Konzerte lang den düsteren Schatten der Pandemie aufreißt, der heuer sogar so lichtere Lichtfeste wie Chanukka und Weihnachten zu verfinstern drohte. Und auf dass es vielleicht auch wie das Signal-Licht eines Leuchtturms hilft, die von den Wellen der Pandemie getriebenen Volksvertreter wieder auf Kurs zu bringen. In diesem Sinne wünsche ich viel Spaß mit dem christmas streaming special und einen glücklichen Jahreswechsel. Dirk Wagner



EDITION 1 


HER TREE 

Mit ihrem Projekt her tree bringt Sängerin Alexandra Cumfe zwei augenscheinlich gegensätzlich Welten zusammen: unberührte Natur und moderne Technik. Für ihre Musik verwendet sie nämlich neben ihrer Stimme ausschließlich Sounds, die sie selbst bei ihren Streifzügen durch die Wälder aufgenommen hat. So werden aus dem Knacken von Ästen oder den dumpfen Schlägen auf moosbedeckte Baumstümpfe – dank der digitalen Zerlegung und akribischen neuen Zusammenfügung am Computer – Basslines, Percussion und Melodien. Diese Soundkonstruktionen, begleitet von ihrem Gesang, sorgen so für ein vollkommen neues Klangerlebnis. 


JOHANNA MAUK 
Die Singer-Songwriterin und Bratschistin Johanna Mauk spielt gelegentlich auch auf Beerdigungen, aber auf eine etwas andere Art. Mit ihrer gefühlvollen Stimme erzählt sie Geschichten vom Erwachsenwerden, vom Nacktbaden und vom Sterben, vom Sichzuhausefühlen, von großen Emotionen und Prosecco – wobei das ja bekanntermaßen oft zusammenhängt. Ihr außergewöhnlicher und bemerkenswerter Klangkosmos erstreckt sich dabei irgendwo zwischen Indie-Pop und Folk, vom Country-Song bis zum Yung-Hurn-Cover. Da wird schnell klar: Bei ihr kann alles Mögliche passieren. 




EDITION 2 


SAGURU

Mit dem jüngst im Herbst veröffentlichten Song „Munich Experience“ – quasi eine Ode an die Stadt – ist er nicht die erste Band, die München als Anlass für eine musikalische Thematisierung nimmt. Doch nicht jeder macht das so überzeugend wie Chriz Rappel, das Mastermind hinter dem Indie-Projekt Saguru. Dabei besticht er durch einen unglaublich lockeren und träumerischen Flow und eine wunderbar warme Stimmfarbe, die einen förmlich durch die Lieder trägt. Eindeutig beeinflusst von Bon Iver, Jose Gonzales, Coldplay und auch die Arctic Monkeys, scheint er trotzdem bereits in seiner ganz eigenen Soundwelt angekommen zu sein.


SWEETLEMON 
New Blues, moderner Soul-Pop oder Sweet Beat? Wer will, der findet sicher eine musikalische Einordnung für SweetLemon. Die beiden Schwestern schreiben ihre Songs selbst, setzen hinreißende Bezüge zu Jazz- und Swing-Harmonien und transportieren dabei vor allem eine federleichte und luftige musikalische Grundstimmung. Vielleicht ist es die Verbundenheit, die man in ihren Stimmen spürt, vielleicht aber auch etwas anderes, das mitschwingt und zugleich anzieht. Harmonie im Gegensatz. Einigkeit im Unterschied. 




EDITION 3


SLOVVA 

Kaum eine andere Künstlerin fordert die Bereiche der experimentellen Clubmusik so heraus und versucht, mit der Tradition starrer genrebasierter DJ-Sets zu brechen wie Slovva. Ihre Mixe verstehen sich als eine ausgeklügelte Mischung verschiedenster Stile, einschließlich Bassmusik und Leftfield-Techno. 


KONRAD WEHRMEISTER 
Mit tiefem, sattem Dub bis hin zu intimen Studien über das rhythmische Rauschen hat der Münchner Produzent und DJ Konrad Wehrmeister eine aufregende und außergewöhnliche Nische in der Landschaft der elektronischen Musik besetzt. Dank seiner kontrastierenden Veröffentlichungen konnte er sich zudem bereits eine solide Plattform für zukünftige technoide Experimente aufbauen. 


DAVID GOLDBERG 
In seinem interdisziplinären und experimentierfreudigen Ansatz lässt David Goldberg mühelos Genregrenzen verschwimmen und versucht dabei neue Perspektiven in den Zeitgeist zu projizieren. Während er sich in den letzten Jahren intensiv mit den verschiedensten Formen von Synthese auseinandergesetzt hat, bedient er zwischenzeitlich oft algorithmische Kompositionsmethoden und Programmiersprachen, die ihm helfen, seine Konzepte umzusetzen und sich klanglich stärker zu individualisieren.

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