07.09.
bis
16.09

gREen

Andere

Sampling Color – Farbe Vermessen
Agnes Meyer-Brandis, Thomas Feuerstein, Adam Brown u.a.

Was ist grün? Sind wir grün? Und ist es das Pflanzliche überhaupt? Sind Algen ‚Superfood’, Umweltpest – oder beides? Ist Biodiesel grün? Mit monumentalen biotechnischen Installationen, künstlerischen Duftportraits von Bäumen und der chemischen Reproduktion historischer giftiger Pigmente startet die Muffathalle mit gREen eine Veranstaltungsreihe, die im Spannungsfeld von Kunst, Natur und Wissenschaft die aktuelle Dynamik im Klimaschutz begleitet. Dabei gehen die künstlerischen Positionen jenseits des grassierenden ‚Greenwashing’ der zunehmend unkritisch akzeptierten Symbolik von ‚Grün’ auf den Grund – als RE-Mix und RE-Evaluierung von Widersprüchen und Paradoxien. Ingenieure preisen ‚grüne’ Chemie oder Biotechnologie als ökologisch verträglich an, während Klimaforscher andererseits die ‚Ergrünung der Erde’ als Alarmzeichen anthropogener CO2-Emissionen beklagen und giftige Algenblüten die überstrapazierte Assoziation von ‚Grün’ mit Nachhaltigkeit diskreditieren. Ist uns ‚Grün’ vielleicht deshalb so wichtig, weil hier Natürlichkeit und Künstlichkeit, das Gesunde und das Toxische, das Erhoffte und das Verlorene oszillieren?


Kunst an der Schwelle zu den Technowissenschaften untersucht und vermisst die materiellen Faktoren dessen, was uns als ‚grün’ erscheint – aber nicht mehr nur metaphorisch sondern vor allem metabolisch! Ist ‚Grün’ vielleicht sogar selbst eine ‘vermessene’ oder ‚anmaßende’ Farbe, deren leichtfertiger symbolischer Gebrauch zunehmend hinterfragt werden sollte?


In den übermannsgroßen Fotobioreaktoren und mäandrierenden Schläuchen von Thomas Feuersteins raumgreifenden Installationen wachsen Chlorella-Algen heran, die in mannigfaltige Stoffwechselprozesse eingebunden sind. Geerntet werden sie zu Getränken, Mal-Pigmenten, Biokunststoff oder gar zu im Schnellverfahren hergestellter Kohle... is Black the new Green? Bei Agnes Meyer-Brandis sind Bäume nicht mehr nur fotosynthetisierende grüne Kohlenstoffspeicher, sondern komplexe Organismen mit eigenen Identitäten, die dank ihrer spezifischen Gasemissionen miteinander kommunizieren – oder mit den Besuchern, wenn sie sich experimentell ein Geruchs-Kostüm anlegen wollen. Und Adam Brown stellt in seinem neo-alchemistischen Live-Labor Arsen-haltige Pigmente her: Sie erinnern daran, dass in der Kunst Grün Natur oft mit den giftigsten aller Farben repräsentierte.


 


Das Muffatwerk bietet Künstlern und Künstlerinnen seit über zwanzig Jahren eine Plattform, sich mit dem Hybriden in der Kunst auseinanderzusetzen und Art & Science in ihren Arbeiten miteinander verschmelzen lassen. Aktuelle Strömungen in der Kunst wenden sich nicht mehr nur der Zentralität des menschlichen Körpers und Wesens zu, sondern erweitern ihren Fokus um die Potentiale von Molekülen, Bakterien und Zellstrukturen auf der einen Seite, und der Ökologie auf der anderen. Angesichts der massiven Herausforderungen, die durch die Zerstörung ökologischer Systeme und die biotechnische Manipulierbarkeit von Organismen entstehen, erscheint es uns unabdingbar, diese Entwicklungsprozesse aus einem kritischen künstlerischen Blickwinkel zu betrachten. Das Muffatwerk möchte diese Strömungen über einen mehrjährigen Zeitraum einem interessierten Publikum nahebringen und damit den notwendigen gesellschaftlichen Diskurs im Spannungsfeld von Kunst, Natur und Wissenschaft begleiten. Mit gREen startet das Muffatwerk deshalb eine Veranstaltungsreihe,  welche diese aktuelle Dynamik der Veränderung ökologischer Systeme sowie ihre politischen und technikphilosophischen Konsequenzen reflektiert. Dazu haben wir den Kunst-Theoretiker und Kurator Dr. Jens Hauser gewinnen können, der sich seit langer Zeit intensiv mit jenen Kunstformen und den mannigfaltigen Bedeutungen von ‚Grün’ auseinander setzt, und in der Muffathalle bereits in der Vergangenheit Akzente hybrider Kunst setzen konnte. Die monumentalen biotechnischen Installationen, künstlerischen Duftportraits von Bäumen sowie die performative Produktion auch von giftigem Grün spiegelt zum Auftakt der Reihe die Ambiguität wider, welche Kunst stets hinter vermeintlich einfachen Lösungen und Parolen ans Licht bringt.

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gREen – ARTWORKS