Artistic Intelligences
Die französische Künstlerin ORLAN ist eine wichtige Vertreterin von Body Art und Performance Kunst, die den eigenen Körper als Material für ihr künstlerisches Wirken einsetzt. In der multimedialen Kunst der französischen Pionierin entsteht ‘Intelligenz’ stets durch den Dialog mit dem ‘Anderen’ – anderen Menschen, Kulturen, Technologien. In ihrer politisch engagierten Praxis seit den 1960er Jahren bringt sie mit hybriden Selbstporträts nomadische, mutierende, sich wandelnde Identitäten zum Vorschein, bei denen Körperbild und Bildkörper verschmelzen. ORLANs Ausstellung im Muffatwerk zeigt neue Arbeiten aus dem Bereich Robotik, u.a. als Highlight ihren ORLANOÏDE – eine bewegliche ihrem Ebenbild nachempfundene Skulptur, die mit ihrer Stimme spricht und mehrsprachig Fragen des Publikums beantwortet. Andere Werke umfassen künstliche Intelligenz und Augmented Reality, kritische Auseinandersetzungen mit plastischer Chirurgie und Biotechnologie sowie einen Querschnitt durch ihr Œuvre mit Performances, Fotografie, Video, 3D-Animation, Collagen und Musikkompositionen, die uns nach der Covid-Pandemie wieder zu mehr Körperkontakt und Slow Dancing animieren.
Biografie:
Wurde ORLAN international neben ihren vielen anderen Aktionen u.a. durch die Inszenierung und Live-Übertragung ihrer neun Operationen plastischer Chirurgie der frühen 1990er-Jahre und ihr Manifest zur Art charnel bekannt, in denen sie in transformativen Akten der Selbstermächtigung an sich selbst alternative Schönheitsideale realisierte, so beschäftigen sich ihre Performances und Werke stets mit dem Status des Körpers in der Gesellschaft. Reale Transformationen wie die Silikonimplantate auf ihrer Stirn werden in den folgenden Self-Hybridation-Arbeiten dann als Ausgangspunkt digitaler Fotowerke als ‚virtuelles Pixelfleisch’ in zahlreiche ethnische Varianten gemorpht. Die Künstlerin demonstriert den kulturellen, politischen und religiösen Druck, welcher auf den Körper und insbesondere auf den Körper von Frauen ausgeübt wird. In ihren Augmented-Reality-Installationen lässt sie so ihren künstlichen Körper akrobatische Kunststücke aus dem Repertoire der Peking-Oper ausführen, aus welchem Frauen verbannt und ihre Rollen von Männern gespielt werden. Zusammen mit dem ORLAN-Avatar kann man sich dann in einem Selfie verewigen. In anderen 3D-Animationen erscheint die Künstlerin als anatomische Figur gehäutet, sodass ihr keine Hautfarbe zugeordnet werden kann, und posiert als Freiheitsstatue, ein Manifest gegen Rassismus. Dagegen vermischt sie in ihren biotechnologischen Installationen wie dem Harlekin Coat ihre eigenen Hautzellen mit denen anderer, menschlichen-tierischen und lässt in einem Bioreaktor Hybridkulturen wachsen. Bereits in den 1990er Jahren arbeitete sie mit genetischen Techniken und ließ körpereigenes Material enthaltende Werke von der dänischen Kriminalpolizei mittels DNA-Analyse identifizieren. So ziehen sich Gesten wie Zerschneiden, Skarifizieren, Nähen, Weben, Vermessen, Collagieren, Hybridisieren, Maskieren, Travestieren etc. als Muster durch ORLANs Kunst- und Performance-Projekte. Sie verändert ständig und radikal den jeweiligen Status Quo, bricht mit Konventionen und vorgefertigten Denkweisen. Sie widersetzt sich einem sozialem und politischem Determinismus, Formen von Unterdrückung, männlich-machistischer Vorherrschaft, Religions-Dogmen und kultureller Segregation: „Ich bin eine Künstlerin, die sich nicht an ein bestimmtes Material, eine bestimmte künstlerische Praxis, Ausdrucksweise, Technik oder Technologie, ob alt oder neu, gebunden fühlt.“ Sie thematisiert wichtige Fragen unserer Zeit, indem sie gesellschaftliche Phänomene aus kritischer Distanz hinterfragt.
25.02. bis 15.03.
Ausstellung
Ort: MuffatwerkMünchen
Muffatwerk
Eröffnung 25.02. 19 Uhr
Öffnungszeiten
Mi–Do–Fr 16 – 21 Uhr
Sa 14 – 21 Uhr
So 11 – 19 Uhr
Montags und Dienstags sind Ruhetage
Symposium: Sonntag 1.3.2026 11 - 21 Uhr
Eintritt Frei
Anfahrt
Teilen
Pressematerial